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Josef Winkler
Biografie
JOSEF WINKLER (1925–2025)
Ausbildung und frühe Jahre
Josef Winkler wurde am 15. November 1925 in Wien geboren. 1946 besuchte er die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt. Von 1947 bis 1948 studierte er an der Akademie der bildenden Künste Wien in den Klassen von Josef Dobrowsky und besuchte Aktzeichenkurse bei Herbert Boeckl. Zwischen 1948 und 1950 erhielt er ein Stipendium für die Art School in Guildford bei London.
In dieser frühen Phase stand er der Wiener Schule des Phantastischen Realismus nahe, suchte jedoch bereits nach einer eigenständigen Bildsprache jenseits der Figuration.
Unterbrechung und Neubeginn
Um für sich und seine Mutter sorgen zu können, musste Winkler rasch Geld verdienen und stellte die Malerei zunächst zurück. Über mehrere Jahrzehnte arbeitete er erfolgreich als Kunsthändler und spezialisierte sich vor allem auf die Klassische Moderne des 20. Jahrhunderts und die École de Paris.
Nach einem langen Reifungsprozess widmete sich Winkler ab 1989 wieder ausschließlich der Verwirklichung seiner künstlerischen Ambitionen und kehrte mit Leidenschaft und Konsequenz zur Malerei zurück. Beeinflusst von Künstlern und der Formensprache des Abstrakten Expressionismus und des Informel entwickelte er rasch eine unverwechselbare eigene Bildsprache.
Malerei und Themen
Zentrale Themen wie Metamorphose sowie die Spannung zwischen Anfang und Ende – Alpha und Omega – treten zunehmend in den Vordergrund. Die Werke gewinnen an Tiefe und Ausdruckskraft und zeigen eine konsequente Weiterentwicklung seines künstlerischen Ansatzes sowie einen fortwährenden Dialog zwischen Werk und Künstler, wie er selbst immer wieder betonte.
Winkler sprach weniger von Abstraktion als von gegenstandsloser Malerei. Was wir sehen, ist für ihn innerlich gespeichert; bei der Übertragung auf die Bildfläche geht es nicht um erzählerische Motive, sondern um die Reduktion auf eine geistige und psychische Essenz.
Seine Bilder entstehen in Schichten: Farbe wird aufgetragen, übermalt, aufgebrochen und wieder geöffnet. Dichte Farbaufträge, erdige Töne, Handabdrücke, Kratzspuren sowie eingearbeitete Zeichen oder Schriftzüge machen die Oberfläche zu einem physischen Speicher von Zeit und Erfahrung.
Charakteristisch sind serielle Werkgruppen wie die Zyklen „Metamorphosen“ oder „Von Alpha bis Omega“, in denen Transformation, Werden und Vergehen sowie Erotik und Leidenschaft zu zentralen Themen werden. Winkler arbeitete täglich im Atelier und war von der Malerei mehr besessen, als ihr lediglich verpflichtet.
Er verstand jedes Werk als Neubeginn: Das Risiko des Scheiterns, das Übermalen und Zerstören vermeintlich „fertiger“ Lösungen sind integrale Bestandteile seines Arbeitsprozesses. Aus dieser Konsequenz entsteht ein Werk, das zugleich körperlich und reflektiert, sinnlich und streng ist.
Die Auseinandersetzung mit Transformation, Loslösung und Neubeginn erhält zudem eine existenzielle Dimension – nicht zuletzt im Kontext der von Isolation und Unsicherheit geprägten COVID-19-Pandemie, des Krieges zwischen Russland und der Ukraine sowie einer erneuten Konfrontation mit und Verarbeitung seiner eigenen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs.
Sowohl die Arbeiten auf traditionellen Bildträgern als auch die entstehenden Assemblagen wirken zugleich ruhiger und zentrierter, aber auch verdichtet und von besonderer emotionaler Intensität aufgeladen. Dadurch entwickeln sie eine tiefgründige und reflektierte Qualität. Zugleich bleibt das Motiv von Transformation, Loslösung und Erneuerung durchgehend zentral.




